(e)at_work
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* * * Projekte im Rahmen des Projekts 100.000 EURO JOB - gefördert mit Mitteln der Kulturstiftung des Bundes im Programm "Arbeit in Zukunft"
Vorhaben

Zum Beispiel klettert die Zecke, angezogen vom Licht, auf die Spitze eines Zweiges; empfänglich für den Geruch eines Säugetiers läßt sie sich fallen, wenn dieses unter dem Zweig entlang geht; dann bohrt sie sich an einer möglichst wenig behaarten Stelle in die Haut. Drei Affekte, und das ist alles, den Rest der Zeit schläft die Zecke, manchmal jahrelang, gleichgültig gegenüber allem, was sonst im Wald geschieht. [...] Wir wissen nichts von ihrem/einem Körper, wenn wir nicht wissen, was er vermag; das heißt, welche Affekte er hat, wie sie sich mit anderen Affekten, den Affekten eines anderen Körpers, verbinden können oder nicht, um ihn entweder zu zerstören oder von ihm zerstört zu werden, um entweder zu handeln oder zu leiden, oder um mit ihm einen Körper zu bilden, der noch mehr vermag als er.


(Deleuze/Guattari, "Tausend Plateaus")




Nach den ersten Versuchen der Kontaktaufnahme mit dem TIER und gemeinsamen wie individuellen Feldversuchen in 2010 und 2011 treten (e)at_work und logotorium (hervorgegangen aus dem Muschiballett, Fräulein Bernd, Prüfungsausschuss Ritual zum Ende der Welt, Krarque & Jamarić, et cetera) nun das erste gemeinsame künstlerische Forschungsvorhaben in Kollaboration an.

Unter dem Arbeitsansatz DIE ZECKE.Artists meet Activists verfolgen die beteiligten KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen und Artist-Activists die Entwicklung von künstlerisch-aktivistischen Strategien, die die bekannten, repräsentativen Bewegungsmuster und Kommunikationsformen beider Bereiche (zur Klärung: künstlerische Ausdrucksformen/Performance - politischer Aktivismus) unterwandern und transformieren können.


Workshop

Im August 2011 legen sich (e)at_work und logotorium im Flutgraben e.V. auf die Lauer, heften sich an die Fersen der Protagonisten, beobachten, denken, schlafen, warten. Im Rahmen eines einwöchigen Arbeitsaufenthalts suchen wir den Austausch mit erfahrenen Aktivisten. Dann lassen wir uns fallen. Auf Orte und Kontexte. Bis sie uns wieder abschütteln.

Feldversuch A)

Erprobung von Strategien der Kollaboration-Intervention beim ersten Berliner Slutwalk am 13.08.2011

Feldversuch B)

Erprobung, Präsentation und Weiterentwicklung von Strategien der Kollaboration/Intervention im Rahmen des Projekts Tischgesellschaften - wie soll man kooperieren? von Jörn J. Burmester beim Live Art Festival EXCHANGE RADICAL MOMENTS! am 11.11.2011 im Flutgraben e.V.


2010 / 2011

Arbeitsphase IV - TIERE. Fortbewegung/Wissen

(e)at_work streicht die allmächtige "Arbeit" zum ersten Mal aus dem Titel eines aktuellen Vorhabens. Kein Zugeständnis - sondern ein Perspektivwechsel. Denn das TIER gibt es, im Gegensatz zum Arbeiter und trotz aller Diskussionen, glücklicherweise immer noch.
Es ist und bleibt das Andere. Das, was wir nicht sind, sondern essen. Da muss gerettet werden, was noch zu retten ist!

Die aktuelle Kunstförderung macht's zwar etwas komplizierter, hat aber auch bemerkt, dass die "natürliche Umwelt" (oder das Sprechen darüber) zur gegenwärtigen Stunde eine erfrischend konkrete und politisch neutrale Angelegenheit sein kann. Aus der angenommenen Neutralität kreativer Produktion heraus, soll die Kunst zur Rettung des Planeten antreten und Konzepte alternativer Produktions- und Organisationsweisen bereitstellen.

(e)at_work nähert sich dem TIER mit allerhand Fragen, die wir uns wohl selber werden beantworten müssen und die wir vom wissenschaftlichen Ansatz her den Bereichen "Fortbewegung" und "Wissen" zuordnen werden. Darin kündigen sich nicht-neutrale Erwägungen darüber an, wohin und wie oder ob wir uns überhaupt zu bewegen gedenken, zu Strukturen des Nachdenkens und Vorgängen des Sprechens über das TIER, zu der Sehnsucht, das TIER sein zu wollen (Imitation, Analogie), und dem Wunsch, das TIER zu töten.

(e)at_work stellt sich dieser Phase der Auseinandersetzung als: Waschbär (ist ein Neozoon), Bär (ist sexy), Vogel (kann mitunter fliegen) und Löwe (brüllt).

In der ersten Hälfte des Jahres 2010 laden wir befreundete Kunst- und WissenschaftlerInnen zu einer Diskussion von Arbeitsweisen und -inhalten und untersuchen Vorgänge von Verwandlung und Hybridisierung.

2008 / 2009

Arbeitsphase III - Arbeit und Künstlerische Formen/Subkulturen/Subversive Strategien

2007 / 2008

Arbeitsphase II - Arbeit und Identität

Nach der Realisierung der erwähnten Einzelprojekte haben wir uns ausreichend Zeit genommen, um unseren Arbeitsprozeß und die Projektergebnisse auszuwerten. Resultat unserer Evaluation war u.a. - wie auch ursprünglich geplant - die Entscheidung für mehr Zusammenarbeit, d.h. für das gemeinsame Entwickeln, Erarbeiten und Durchführen von Projekten. Seit Sommer/ Herbst 2007 arbeiten wir inhaltlich zum Verhältnis von Arbeit und Identität, und vertiefen damit unsere bisherige Recherche zum Thema. Formal setzen wir uns weiter mit performativen Interview-Methoden und interaktiven Kunstformen auseinander sowie mit dem Verhältnis von Kunst und Dokumentation. Das Archiv als solches spielt dabei eine zentrale Rolle. In diesem Zusammenhang war und ist die Arbeit an unserer Homepage ebenso von Bedeutung. Sie soll nicht nur der Information über (e)at_work und über aktuelle Projekte dienen, sondern auch selbst ein künstlerisches Projekt sowie eine Kommunikationsplattform und ein Archiv zum Thema Arbeit für jeden Besucher der Seite sein. Nach mehrmonatiger Recherche- und Vorbereitungszeit zu o.g. Themen, planen wir nun im Jahr 2008 die Realisierung mehrerer gemeinsam entwickelter Projekte: Arbeit und Identität: INTER VIEWS (interaktive Ausstellung mit künstlerischer Aktion) setzt sich im April innerhalb von vier Tagen in der Berliner Galerie Kurt im Hirsch inhaltlich wie formal mit der Fragestellung auseinander, wie mit (dem von uns generierten) Interviewmaterial künstlerisch umgegangen werden darf. Archiv meets Verschwörungstheorie, Sichtbarkeit meets Unlesbarkeit. Weiter planen wir für das "Festival ProExistence - Wert des Menschen" auf Schloß Bröllin im September das Projekt INTER VIEWS 2: Bröllin - Pasewalk - Bröllin als site-specific work. Während der mehrtägigen Arbeitsphase vor Ort wollen wir im Kontext der Frage nach dem Wert des Menschen mittels neu entwickelter Interview-Methoden das Verhältnis zwischen Arbeit und Identität für die Menschen in Pasewalk und Bröllin erforschen. Die Präsentation soll in Form einer interaktiven Installation/ Landschaft erfolgen. Ebenfalls geplant, aber noch nicht klarer benannt, ist das Projekt Arbeit und Identität 3 - noch ohne Titel als site-specific work im Rahmen des Festivals "MIT DEMO" zum Thema "Real Action", veranstaltet vom Institutet in Malmö, Schweden, im November.

2006 / 2007

Arbeitsphase I - Arbeit und Flexibler Kapitalismus

Den Beginn unserer Arbeit im Frühjahr 2006 bildete hauptsächlich die theoretische und wissenschaftliche Diskussion des Themas Arbeit in verschiedenen Zusammenhängen. So befaßten wir uns gemeinsam mit Aristoteles´ Nikomachischer Ethik und fragten nach den Begriffen und der Bewertung von Arbeit, Handeln und Tun sowie nach dem Glück, wonach Menschen streben. Daraufhin vertieften wir uns in die sich verändernde, reale Arbeitswelt Deutschlands und lasen diverse Interviews mit ArbeitnehmerInnen und Arbeitslosen in Franz Schultheis´ Gesellschaft mit begrenzter Haftung. Zumutungen und Leiden im deutschen Alltag. Hier gewannen wir weitere wichtige Erkenntnisse zur Idee/ Ideologie von Arbeit, insbesondere zum Begriff des Prekariats. Zentral in dieser Arbeitsphase war für uns Richard Sennetts Buch Der flexible Mensch, anhand dessen wir die Veränderungen der Arbeitswelt im Zeitalter des flexiblen Kapitalismus untersucht und diskutiert haben. Parallel dazu haben wir mit der Arbeit an künstlerischen, performativen Interview-Methoden begonnen.

Im Sommer haben wir dann auf Basis des erarbeiteten Materials und ersten Arbeitsergebnissen diverse Ideen und Konzepte für künstlerische Projekte verschiedener Art entwickelt. Dazu gehörte die Idee eines kleineren Festivals für Herbst 2007, das wir jedoch aufgrund organisatorischer sowie finanzieller Gründe bis heute nicht realisiert haben […]. Stattdessen haben wir im Rahmen des Projekts "100.000 EURO JOB", gefördert mit Mitteln der Kulturstiftung des Bundes im Programm "Arbeit in Zukunft", drei einzelne (e)at_work-Projekte realisiert, die zwischen November 2006 und Februar 2007 zu sehen und zu erleben waren. Dabei handelte es sich um TRASH and NARRATION. eine interaktive Müllhalde. von Joy Harder (interaktive Rauminstallation), eye-dentity/ Selbst-Portrait? von Marie Letkowski (Malerei/ von Marie Letkowski (Malerei/Intervention im öffentlichen Raum) und Arthur Millers Stück Ein Blick von der Brücke in der Regie von Sonja Winkel (Theaterinszenierung).

Die erste gemeinsame (e)at_work-Arbeit war die Performance CV: Who is talking about work? Eine begehbare Installation aus Lebensläufen. , die wir für die Symposion-Performance "Redefine Work" des Berlin n@work in den sophiensaelen Berlin, im Rahmen des "Telling Time"-Festivals im Oktober 2006 entwickelt haben. (Das Berlin n@work - jetzt: Emanuelle - ist das deutsche Teilnetzwerk des internationalen Theater-und Performance-Forschungs-Projekts @work network. Performer: Jörn J. Burmester, Janine Eisenächer, Florian Feigl, Nicolas Galeazzi, Joy Harder, Otmar Wagner (Gast)).

Eine weitere (e)at_work-Produktion, die im Oktober 2006 erarbeitet und diesem Rahmen erstmals gezeigt wurde, war der erste Teil der Video-Lecture-Performance-Reihe Waiting For Cargo - housewives and other natives (e)at_work. von und mit Janine Eisenächer (Live-Performer) und Joy Harder (Video). Seitdem entstanden weitere Performances in dieser Reihe, die jeweils in verschiedenen, anderen Kontexten präsentiert wurden.
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