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Ein Blick von der Brücke
Theaterstück von Arthur Miller in der Regie von Sonja Winkel, Berlin Zum Stück und zur Inszenierung Auf der Suche nach Arbeit kommen die beiden jungen Italiener Marco und Rodolpho als illegale Einwanderer in die USA. Marco lässt Frau und Kinder in der Heimat zurück, um mit dem verdienten Geld deren Existenz in Italien zu sichern und später zu ihnen zurückzukehren. Rodolpho hingegen träumt von einem besseren und glücklichen Leben jenseits materieller Not. Ihre Cousine Beatrice, die dort mit ihrem Mann Eddie und dessen verwaister Nichte Catherine lebt, gewährt den beiden Unterschlupf. Eddies anfängliche Gastfreundlichkeit schlägt um, als er die Zuneigung zwischen dem lebenslustigen Rodolpho und Catherine bemerkt. Die Spannungen im Zusammenleben verschärfen sich: Eddie verrät Marco und Rodolpho anonym bei der Einwanderungsbehörde, beide werden von der Polizei vorübergehend inhaftiert. Während Rodolpho Aussicht auf die amerikanische Staatsbürgerschaft durch die Heirat mit Catherine hat, droht Marco die sofortige Abschiebung - es kommt zur Eskalation. Ein Blick von der Brücke wirkt so, als habe man die Geschichte in der Nachbarschaft bestimmter Berliner Kieze aufgeschnappt. Zwar handelt es sich bei Rodolpho und Marco um illegal ins Land Gereiste, und der Status der meisten in Berlin lebenden nicht deutscher Herkunft ist nach dem Gesetz legal, doch die sie bewegenden Themen ähneln sich in vielerlei Hinsicht. Ein Blick von der Brücke setzt sich auf verschiedenen Ebenen mit der Suche nach Arbeit außerhalb des Heimatlandes auseinander und bewegt sich damit zwischen Ängsten und Träumen. Die Arbeits- und Lebenswelt der Einwanderer werden auch in unserer Gesellschaft massiv bestimmt von dem Kampf um die eigene Existenz, der Sicherung der eigenen Existenz durch Arbeit, der Sehnsucht nach Selbstverwirklichung und der Problematik des politischen Status. Das Experiment im Umgang mit dem Stück aus den 50er Jahren besteht darin, die für uns in ihm präsenten Bezüge zur Gegenwart hervortreten zu lassen. Erprobt werden soll, ob dies auf Basis des Miller-Textes allein gelingt, oder ob mit Eingriffen in den Original-Text, bzw. mit Fremdtexten diese Wirkung zu erzielen ist. Die künstlerische Arbeit versteht sich hier als dramaturgisches Experimentierfeld der Wirkungsweisen von Theater. Migration und illegale Einwanderung füllen die Medien in Form von Zahlen über Asylanträge und aktuell in Form von Konferenzbeschlüssen aus Rabat oder Deutschland - aber selten wird nach den Geschichten und Erfahrungen der Betroffenen gefragt. Die Inszenierung bringt diese auf die Bühne und macht damit einen Bereich von Arbeit sichtbar, der nicht unter offizielle Arbeitsbegriffe fällt. Nach illegaler Arbeit fragen, heißt sich außerhalb der arbeitspolitischen Normen und Begriffe zu bewegen. Es wird ein System befragt, dass auf die Art konstruiert ist, dass Menschen es ab einem bestimmten Punkt vorziehen, in den Status der Illegalität zu gehen und damit alle positiven Rechte einzubüßen, um ihre Existenzgrundlage zu gewährleisten. "The play does not attempt to swamp an audience in tears. But it is possible now to relate his actions to our own and thus to understand ourselves a little better not only as isolated psychological entities, but as we connect to our fellows and our long past together." [Arthur Miller, über Ein Blick von der Brücke in seinen Theateressays. The Theatre Essays of Arthur Miller, London, 1999.] Künstlerische Umsetzung und Form Als künstlerische Form, um die genannten Themen lebendig zu machen, wird die Inszenierung eines Theatertextes gewählt. Es können so Menschen erreicht werden, denen ein wissenschaftlich-analytischer Umgang fremd wäre und sie nicht für das Thema interessieren könnte. Es geht um das Verständnis von Theater als ein sozialer Ort, als eine Begegnungsstätte für gemeinsam verbrachte Zeit während und nach der Aufführung. Präsentation und Ort Aufführungsort wird das Berliner Off-Theater Theaterforum Kreuzberg sein, da es sich in einem Kiez mit starkem Migrationshintergrund befindet und den dem Stück entsprechenden gesellschaftlichen Hindergrund bietet. Vorgesehen ist eine Wiederaufnahme im Rahmen des geplanten (e)at_work-Festivals im kommenden Jahr. zurück... | ||
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