(e)at_work
(e)at_work
* * * Projekte im Rahmen des Projekts 100.000 EURO JOB - gefördert mit Mitteln der Kulturstiftung des Bundes im Programm "Arbeit in Zukunft"
INTER VIEWS 2: Bröllin - Pasewalk - Bröllin
6.-13. September 2008 ( Schloss Bröllin )



Ausgangspunkt des (e)at_work-Projekts Arbeit und Identität: INTER-VIEWS 2 bildeten in dieser Arbeitsphase (Arbeitstitel: Bröllin-Pasewalk-Bröllin) die Orte Schloss Bröllin und Pasewalk, zwei nah beieinander liegende Orte im Landkreis Uecker-Randow in Mecklenburg-Vorpommern. Ein altes Rittergut, das heute als Gast-Residenz und Produktionsstätte für internationale Künstler dient, und die von Arbeitslosigkeit und Überalterung gebeutelte Kleinstadt Pasewalk wurden im Rahmen der Teilnahme von (e)at_work am diesjährigen pro.existence Festival auf Schloss Bröllin zu Austragungsorten einer mehrtägigen Auseinandersetzung mit den Wirkungsmöglichkeiten künstlerischer Aktionen im öffentlichen Raum und dem Verhältnis beider Orte zueinander. Während das Festival die Frage nach "dem Wert des Menschen in unserer Welt" stellte, fragte (e)at_work nach der Legitimität dieser Fragestellung. Die Recherchen des (e)at_work-Forschungsteams hatten ergeben, dass sich im 17. Jahrhundert der Brölliner Schlossherr von Lindstedt auf ein Kartenspiel mit dem Teufel eingelassen hatte, in dessen Vollzug ein Gespenst freigelassen wurde, das bis heute die Orte Bröllin und Pasewalk heimsucht. Die Bewohner Pasewalks waren eingeladen, sich an der Erforschung und Austreibung des Gespensts zu beteiligen. Ihre Beiträge zur Erforschung des Phänomens "Gespenst der Austauschbarkeit" bildeten die Grundlage zu einer Performance auf Schloss Bröllin, die in Verarbeitung der Ergebnisse zahlreicher Interventionen und Interviews im öffentlichen Raum spontan entwickelt und in deren Rahmen der Versuch unternommen wurde, das "Gespenst der Austauschbarkeit" dahin zurück zu schicken, woher es gekommen war...

On september, 13th (e)at_work performed at the pro.existence festival, an international art laboratory asking the question: What worth does a person of our world have? During their one-week long stay at the 800 year old estate and art research location Schloss Bröllin/Germany, (e)at_work applied their knowledge of super-natural phenomena and newly developed artistic interview-methods (see image) in order to explore the nearby district town of Pasewalk. They questioned its inhabitants on the subjects of fear and uniqueness in course of a number of interventions in public space and interviewed representatives from business, administration and public opinion making. (e)at_work got obsessed by and finally hunted down the ghost of exchangeability in a performance which was developed spontaneously from the results of this research.












Konzept:

Was macht den Wert eines Menschen aus? Was bedeutet ihm etwas? In einer Region, die die höchste Arbeitslosenquote in ganz Deutschland zu verzeichnen hat (Quote: 27,7 %, Stand: 2006) - was bedeutet ihm "Arbeit"? In einer Situation, in der sämtliche Lebensbereiche nach Leistung und ökonomischen Kategorien bewertet werden - was bedeutet er sich selbst? Die Fragen nach dem Wert des Menschen im Kontext einer von Effizienzdenken und totaler Ökonomisierung geprägten Gesellschaft betreffen die Frage nach dem Wert und der Rolle von Kunst - welchen nicht-ökomischen Wert hat bzw. schafft Kunst für Menschen? Kann sich unsere künstlerische Arbeit dem Markt- und Produktgedanken entziehen oder ihm etwas entgegensetzen? Wie und warum sollte sie das tun? Wie verhält sie sich also gegenüber der Wirklichkeit, mit der sie sich befasst...?

Ausgangspunkt des (e)at_work-Projekts Arbeit und Identität: INTER-VIEWS 2 bilden in dieser Arbeitsphase (Arbeitstitel: Bröllin-Pasewalk-Bröllin) die Orte Schloss Bröllin und Pasewalk. Sie sind zwei nah beieinander liegende Orte im Landkreis Uecker-Randow in Mecklenburg-Vorpommern und teilen die ökonomische Situation; in ihrer räumlichen Anlage, Struktur und Bedeutung sind sie verschieden. Uns interessiert zunächst die Erforschung dieser Unterschiede und die Begegnung mit ihren Bewohnern - d.h. auch die Bedeutung beider Orte für die Menschen, die dort wohnen, für ihre Geschichte(n) oder Erzählungen und für die Dinge, die ihnen etwas be-deuten.

Recherche
Schloss Bröllin: ein altes Rittergut mit landwirtschaftlichem und handwerklichem Betrieb, wo einst ein kartenspielender Teufel sein Unwesen getrieben haben soll; heute eine Gast-Residenz und Produktionsstätte für internationale Künstler und deren Arbeit.
Die Kleinstadt Pasewalk: anfänglich eine wehrhafte Burg, die sich zu einer Stadt entwickelte, der Hanse beitrat und langjährig Garnisonsstadt war; Geburtsstadt der Erfinder der Blindenschreibmaschine und der klappbaren Schulwandtafel.
Ziel unserer künstlerischen Arbeit ist die Begegnung der Menschen und ihrer Stimmen an einer künstlerisch-sozialen Schnittstelle, die sich aus der Konfrontation unserer Erfahrungen in beiden Räumen ergibt. (Das gilt sowohl für den Zeitraum unseres Arbeitsprozesses als auch für die Präsentation.) Was geschieht, wenn diese zwei Räume mit ihren Menschen, Stimmen und Geschichten aufeinandertreffen?
Das Inter-View als künstlerische Arbeitsmethode und Schnittstelle: Innerhalb unserer ortsspezifischen Recherche und Forschung werden wir erneut mit verschiedenen von uns entwickelten und mehrfach angewendeten künstlerischen Interview-Methoden (z.B. ortsbezogene und objektbezogene Interviewsmethoden) arbeiten. Sie basieren auf einer gleichberechtigten und vor allem künstlerisch aktiven Teilnahme der jeweiligen Interviewpartner, worin der künstlerische Prozeß bereits zum Großteil besteht.
Im Kontext ausgewählter historischer Ereignisse und Erzählungen von und über Bröllin und Pasewalk ist es unser Ziel, die beiden Orte, ihre Bewohner und ihre Geschichte(n), in ihren verschiedenen Wertgebungen aufeinander treffen und sich begegnen zu lassen.

Während unserer 10-tägigen Werkstattphase als Teilnehmer des Brölliner ProExistence-Festivals begiben wir uns mit Ton- und Videoaufnahmegeräten auf eine Expedition zu den Menschen in und um Schloss Bröllin (umfaßt auch die KünstlerInnen vor Ort) und Pasewalk. Wir suchen und forschen nach den für sie wertvollen, identitätstiftenden Orten und Plätzen, nach persönlichen Geschichten, Erfahrungen und Gedanken, dokumentieren Orte, Ansichten und Bewegungsabläufe. Wir befragen andere und uns mithilfe der uns zur Verfügung stehenden Dokumentations- und Interviewtechniken nach den Grundbedingungen und Seinsweisen eines "wertvollen" Lebens und Vorstellungen vom "Wert des Menschen". Wir führen die gesammelten Erfahrungen und das generierte Material auf dem Gelände von Schloss Bröllin zusammen und widmen uns dort der Sichtung, Analyse und gemeinsamen Auseinandersetzung.

Aus dem in den ersten 5 Tagen der Werkstattphase generierten Interview- und Dokumentations-Material werden wir in den 5 Folgetagen bis zum Festival eine Landschaft aus ausgewählten Materialien entwickeln, die wir miteinander in Beziehung setzen und teilweise bearbeiten. Dabei soll das vorliegende Material nicht bloss quasi-objektiv auf seinen "Aussagewert" hin überprüft, sondern als kreatives Material und Ausgangspunkt für die künstlerische Aktion begriffen werden. Während des Festivals agieren wir zwischen Fernseher, Projektion, Mikrofonen, Lautsprechern und Orten der Begegnung (Sitzgelegenheiten, stiller Denkraum) in einer Installation, die über die Dauer von 1 bis 2 Tagen für jede/n zugänglich bleibt und zur Interaktion auffordert. Dazu gehört die Herstellung von Interviewsituationen und Diskussionen, in denen das Gespräch über Materialien und Präsentationsweisen öffentlich wird und die Prekarität ökonomischer Abhängigkeiten und moralischer Standpunkte deutlich. In Anlehnung an die historische Legende vom kartenspielenden Teufel in Bröllin laden die KünstlerInnen zum Abschluss des Projekts zu einem gemeinsamen Ausflug in die nähere Umgebung, der über die Ergebnisse des Projekts entscheiden wird...


©   Impressum