| |||
|
eye-dentity / Selbst-Portrait?
Malerei / Intervention von Marie Letkowski, Berlin Konzept, soziale und politische Ziele Arbeit: Geld, Essen, Unterkunft, sozialer Status, Existenzangst, Zukunftsangst, Selbstverwirklichung Arbeit ist elementar für die Konstruktion unserer Identität und für die Ausbildung unseres Selbst. Umgekehrt beeinflussen wir gleichzeitig mit bzw. durch unsere Identität und unser Selbst die Arbeit, die wir ausüben. Doch in welchem Wechselverhältnis stehen Arbeit und Mensch wirklich? Wer bin ich und wer will ich sein? Wie will ich leben? Wie will ich arbeiten? Diese Prozesse und das Verhältnis zwischen Arbeit und Identität sind zudem ausschlaggebend dafür, ob bzw. wie wir Dinge und Menschen wahrnehmen, genauso uns selbst, unser Handeln, unser soziales Umfeld, die Welt. In unserer heutigen Gesellschaft, die von Bilderwelten überflutet ist, hat sich die Tatsache bzw. der Diskurs durchgesetzt, daß jemand nur dann existiert, wenn wir ihn sehen, visuell wahrnehmen. So ist es auch mit Arbeit: Arbeit existiert nur dann, wenn wir sie sehen, vielmehr wenn es ein sichtbares Produkt dieser Arbeit gibt. Darüber definiert sich auch unser Dasein, unsere Identität, unser Handeln: wer nicht arbeitet, existiert nicht. Sehen und gesehen werden - eye-dentity. Wer sieht mich und das, was ich tue, überhaupt? Wer sieht, wer ich bin? eye-dentity / Selbst-Portrait? setzt sich künstlerisch mit diesen zwei Prozessen, die eng miteinander verknüpft sind und sich einander bedingen, auseinander. Es geht um die Fragen, wie wir uns selbst wahrnehmen, wie diese (Nicht-)Wahrnehmung von Arbeit/ Nicht-Arbeit bestimmt wird und auf die Ausbildung von Identität einwirkt. Die Rückbesinnung auf sich selbst und der gestalterische Ausdruck der eigenen Zukunftsvision stehen hierbei im Vordergrund. Der Mensch selbst kommt zum Ausdruck und bestimmt sein eigenes Selbst-Portrait im Hinblick auf Arbeit bzw. Nicht-Arbeit. eye-dentity / Selbst-Portrait? eröffnet damit zunächst einen Kommunikationsraum zum Nachdenken und zum Austausch darüber, wie wir selbst jetzt und in Zukunft leben und arbeiten wollen. Welche Wahl haben wir zur derzeitigen Arbeitssituation? Wie sehen wir uns selbst in der Zukunft? Zudem schafft eye-dentity / Selbst-Portrait? einen Raum der Selbst-Bestimmung und Selbst-Wahrnehmung durch die bewußte, gezielte Einbindung der Zuschauer, die damit zu Akteuren werden. Die Aktivierung und die Integration der Beobachter in diesem/n Raum von Kunst, in dem sie sich selbst ausdrücken, (hinter-)fragen, bestätigen etc. können, sind weitere wichtige Bestandteile meines Projekts. Künstlerische Umsetzung Die künstlerische Umsetzung von eye-dentity / Selbst-Portrait?, entsprechend der erläuterten inhaltlichen Auseinandersetzung, findet in Form eines Cross-Overs aus Malerei und Intervention im öffentlichen Raum statt. Dies stellt sich konkret wie folgt dar: Zunächst male ich zwei Bilder, auf denen zwei lebensgroße Körper - der einer Frau, der eines Mannes -, mit verschiedenen Aspekten von gesellschaftlichen Schichten dargestellt sind: Geschlecht, Alter, Kleidung, Arbeitsgegenstände, soziale Zugehörigkeit, Arbeit/ Nicht-Arbeit etc. Diese Darstellungen orientieren sich an meiner Wahrnehmung und Auseinandersetzung mit den o.g. Themen, Zusammenhängen und Fragen. An der Stelle der Gesichter befinden sich (auf den Bildern) Spiegel. Wer ist es, den ich dort sehe? Im zweiten Schritt male ich zwei lebensgroße Körper - der einer Frau, der eines Mannes -, ohne jegliche Attribute. Sie sind nackt. Auch hier befinden sich Spiegel an Stelle der Gesichter. Bin ich das wirklich? Wie möchte ich sein? Wie möchte ich leben? Wie möchte ich arbeiten? Im dritten Schritt baue ich vier Wahlkabinen-ähnliche Boxen, je zwei für Frauen und für Männer, in denen dann die vier gemalten Bilder aufgehängt werden (ein Bild pro Box). In den "Wahlkabinen" mit den nackt gemalten Körpern stehen zudem mehrere Gefäße mit Farben und Pinseln bereit. Die Idee besteht darin, daß sich der/die Betrachter/in zuerst in die "Wahlkabine" begibt, in der der mit verschiedenen Attributen, lebensgroß gemalte Körper hängt; und zwar allein. Damit wird ein intimer Raum geschaffen, der Grundvoraussetzung für die Selbst-Wahrnehmung ist. Die jeweilige Person sieht ihr Gesicht im Spiegel in Zusammenhang mit dem Gemalten. Wer ist es, den ich dort sehe? Anschließend geht diese Person in die "Wahlkabine", in der der nackt gemalte Körper hängt; ebenfalls allein. Nun blickt sie auf eine "leere" Identität und sieht sich in Verbindung damit erneut in einem Spiegel. Bin ich das wirklich? Wie möchte ich sein? Der/die Betrachter(in) hat nun die Wahl und die Möglichkeit, in der Auseinandersetzung mit sich selbst, der Selbst-Wahrnehmung und dem vorher Gesehenen diese "Leere" mit sich selbst zu füllen, d.h. in seiner/ihrer Vorstellung von sich selbst und der Zukunft etwas mit Farbe und Pinsel auf dieses Bild aufzutragen. Damit gibt er/sie dem Bild Aspekte seiner/ihrer Identität, Träume, Wünsche, Ängste und Erfahrungen, welche bedeutend mit dem Thema Arbeit verbunden sind. Diese dadurch entstehende Vielfältig- und Vielschichtigkeit auf den vorher nackten Körpern sind unmittelbarer Ausdruck der beteiligten Menschen und machen sichtbar, was sonst eher unsichtbar, aber existent ist. Jeder bestimmt sein eigenes Selbst-Portrait im Hinblick auf Arbeit bzw. Nicht-Arbeit. Das Interesse von eye-dentity / Selbst-Portrait? liegt damit sowohl im (künstlerischen) Arbeitsprozeß als auch im (künstlerischen) Arbeitsergebnis, welches zudem Potential für einen neuen (gedanklichen) Arbeitsprozeß beinhaltet. Präsentation, Ort und Perspektiven Da eye-dentity / Selbst-Portrait? als ein Projekt im öffentlichen Raum konzipiert ist, bietet es die Möglichkeit, jederzeit sowohl drinnen als auch draußen an diversen Orten stattzufinden - z.B. Job-Center, Arbeitsämter, öffentliche Plätze, Bildungsstätten etc. Damit hat es eine gute Chance, seine Zielgruppen direkt und vor Ort zu erreichen. Demzufolge ist das Projekt nicht nur an einem Ort umsetzbar, sondern kann in verschiedenen Regionen und Städten deutschland- und europaweit präsentiert werden. Während eye-dentity / Selbst-Portrait? bei seiner Erstpräsentation im Januar 2007 wetterbedingt in einem Innenraum stattfinden wird, erfolgt die nächste Präsentation im Rahmen des geplanten (e)at_work-Festivals im kommenden Jahr über einen längeren Zeitraum und u.a. auch im Außenraum. zurück... | ||
| © Impressum | |||