(e)at_work
(e)at_work
* * * Projekte im Rahmen des Projekts 100.000 EURO JOB - gefördert mit Mitteln der Kulturstiftung des Bundes im Programm "Arbeit in Zukunft"
Was ist (e)at_work?

(aktueller Stand: Dezember 2009)

Kommunikations- und Produktionsplattform, Archiv und Teilchenbeschleuniger


Diskussion

(e)at_work leistet eine sich seit März 2006 fortsetzende Diskussion gesellschaftlich vorgestellter Themenkomplexe, untersucht die Gründe ihres Zustandekommens und die Formen der öffentlicher Auseinandersetzung mit ihnen.


Produktion

(e)at_work isoliert dabei Fragestellungen, präpariert sie und stopft sie mit transformierten Inhalten im Rahmen der eigenen wissenschaftlichen und künstlerischen Produktion. Die Bearbeitung der vorgefundenen Themenkomplexe geschieht unter Rückbindung an die eigenen wissenschaftlichen und künstlerischen Projekte, die darüber hinaus von (e)at_work produziert werden.


Form

In dem für unseren gesamten Arbeitsprozess charakteristischen Bereich, der sich zwischen Diskussion und Produktion auftut, experimentiert (e)at_work mit Formaten von Performance und Live Art, leitet daraus neue künstlerisch-wissenschaftliche Methoden ab und erarbeitet ein eigenes Vokabular.


Archiv und Netzwerk

Ergebnisse des gesamten Arbeitsprozesses werden in einem abstrakt organisierten digitalen Archiv dokumentiert, und im Rahmen von Ausstellungen, Vorträgen und Performances, sowie auf unserer Homepage unter veröffentlicht. (e)at_work arbeitet außerdem an sich als ein Knotenpunkt zum Austausch und zur Verarbeitung von Arbeitsweisen und -inhalten, die aus Teilen eines wachsenden deutsch-internationalen Netzwerks junger Kunst- und WissenschaftlerInnen bei uns zusammenlaufen.

Bei Interesse an (e)at_work-produzierten Projekten oder dem Projekt (e)at_work, mit Anfragen und Vorschlägen wende Dich bitte an pr@eatwork.de .









Was ist (e)at_work? (Entwurf 2006 bis 2008)

Kommunikations- und Produktionsplattform, Archiv und Teilchenbeschleuniger

(e)at_work ist ein Künstler-Kollektiv aus Berlin und setzt sich im Kern zusammen aus Michael Conrad, Janine Eisenächer, Joy Harder, Manuel Paul, Júlia Szegedi und Sonja Winkel. Wir haben (e)at_work im März 2006 gegründet, um verschiedene Kunst-Projekte aus den Bereichen Theater, Performance, Installation, Intervention, Film, Ausstellung, Malerei und Diskussion zu realisieren. Langfristiges Ziel ist die inhaltliche und künstlerische Auseinandersetzung mit gesellschaftlich relevanten Themen rund um das Thema Arbeit und den damit verbundenen Zukunftsperspektiven. Diese Projekte sind sowohl unsere eigenen Einzel- und Gemeinschaftsarbeiten als auch Zusammenarbeiten mit anderen KünstlerInnen und VertreterInnen unserer Generation. Im Rahmen von (e)at_work werden zudem die jeweiligen Zielgruppen aktiv in die Auseinandersetzung und Arbeit eingebunden.

(e)at_work versteht sich damit auch als eine Plattform und ein Archiv für Diskussionen und die Stimmen derjenigen, die in der öffentlichen Debatte über ihre Zukunft zwischen Arbeitslosigkeit und prekären Arbeitsbedingungen nicht ausreichend gefragt oder gehört werden: die Jugend (SchülerInnen, StudentInnen, Auszubildende, junge Menschen mit abgeschlossener Ausbildung/ Studium etc.) und die vermeintlich Nicht-Arbeitenden (Arbeitslose, Obdachlose, Straßenmusiker, Hausfrauen und -männer etc.). In diesem Zusammenhang thematisieren wir auch unsere eigene Arbeit als junge KünstlerInnen.

(e)at_work hat darüber hinaus das Ziel, zu einem deutsch-internationalen Netzwerk zu wachsen, in dem das Thema Arbeit und die damit zusammenhängenden gesellschaftlich relevanten Themen und Fragen aus verschiedenen Kontexten und Perspektiven diskutiert, dokumentiert und künstlerisch weiterverarbeitet werden.


Künstlerische Arbeit

Die künstlerische Arbeit der (e)at_work-Projektgruppe und ihrer PartnerInnen gliedert sich in verschiedene Arbeitsphasen und -methoden:


Theoretische Auseinandersetzung / Inhalt:

Seit Mai 2006 trifft sich die (e)at_work-Kerngruppe regelmäßig und arbeitet zunächst auf inhaltlicher Ebene zusammen. Dabei wird die Realität von Arbeit, d.h. die aktuelle Arbeitssituationen, -bedingungen und -erfahrungen mit wissenschaftlichen und theoretischen Texten zum Thema diskutiert und analysiert. Dieses Arbeiten dient dazu, die konkreten Zusammenhänge, in denen wir selbst leben und uns bewegen, zu untersuchen und zu verstehen. Zudem stellt diese Arbeitsweise eine Verknüpfung von wissenschaftlichem und dokumentarisch-biographischem Arbeiten dar, die für den künstlerischen Ansatz von (e)at_work elementar ist. Neben bzw. in diesen Diskussionen und Untersuchungen der aktuellen gesellschaftlichen Situation um das Thema Arbeit entwickeln wir eine gemeinsame Vision von Arbeit, von einer zukünftigen, alternativen (Arbeits-)Welt. Auf dieser Vision bzw. auf diesen Alternativen liegt der Schwerpunkt der inhaltlichen und künstlerischen Auseinandersetzung von (e)at_work. Diese Analyse- und Recherchearbeit wird steter Bestandteil der Arbeit bis zur und während der Präsentation der einzelnen Projekte sein. Ideen und Material werden stetig weiterentwickelt und bearbeitet.


Praktische Auseinandersetzung / Form:

Parallel zur inhaltlich-theoretischen Recherchearbeit kommt ein praktischer Teil dazu. Dieser besteht zum einen aus "Alltagsexpeditionen" in die Arbeitswelt und diversen künstlerischen Interview-Methoden, durch die wir mit den jeweiligen Zielgruppen in Kontakt treten und deren Perspektiven auf und Situationen von Arbeit erfahren werden. Sowohl die Alltagsexpeditionen als auch die Interviews werden dokumentiert und als Material in den künstlerischen Prozeß eingehen. Zugleich werden wir uns mit dieser Fülle an dokumentarischem und biographischem Material in Form von Übungen und Workshops praktisch auseinandersetzen, um Wege der künstlerischen Verarbeitung und Transformation des generierten Materials für Theater, Performance, Film, Installation, Ausstellung etc. zu entwickeln und auszuprobieren.


Künstlerische Ziele

Die Fragen "Was machst Du?" und "Was willst Du später einmal machen?" bestimmen heute jede neue Bekanntschaft, ermöglichen oder verhindern sämtliche soziale Kontakte. Dabei zielen diese Fragen ausschließlich auf einen Beruf oder auf Arbeit im Sinne von Lohn- bzw. Erwerbsarbeit. Diese Form von Arbeit bestimmt wesentlich unser Leben und unsere Identität, sie definiert, wer wir sind oder sein wollen. Das zentrale Ziel von (e)at_work ist ein tieferes Verständnis der Rolle von Arbeit bezüglich unserer Identität und unserer Lebensplanung, vor allem für die Generation der heute 16- bis 28-Jährigen. Dazu gehören die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Begriffen und Bedeutungen von Arbeit, mit der (Nicht-)Wahrnehmung und (Un-)Sichtbarkeit von Arbeit sowie die Vorstellungen von einem zukünftigen Leben (mit oder ohne Arbeit) generell.

Die Zusammenarbeit von KünstlerInnen und Menschen verschiedener sozialer Gruppen macht diese Auseinandersetzung, den Austausch und die Kommunikation darüber zu zentralen Elementen des Projekts. Zudem profitiert das Projekt von den unterschiedlichen künstlerischen Sprachen und Ausdrucksmitteln der Beteiligten. Dies ist notwendig und zugleich eine komplexe Herausforderung für (e)at_work, neue Formen der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen KünstlerInnen (Autoren, Regisseure, Performer, Schauspieler, Musiker, Tänzer, Maler, Fotografen) und auch zwischen KünstlerInnen und Menschen anderer sozialer Gruppen zu entwickeln.

Daraus ergibt sich die zentrale künstlerische Aufgabe von (e)at_work: die Verbindung von wissenschaftlichem und künstlerischem Arbeiten sowie von dokumentarischem, biographischem und fiktionalem Material. Die beteiligten Menschen(gruppen) werden dabei nicht allein als Quelle zur Generierung dieses Materials betrachtet und "ausgebeutet", sondern direkt und aktiv in den künstlerischen und inhaltlichen Arbeitsprozeß eingebunden.

Schließlich ist es unsere Aufgabe und unser Ziel, mit den Zuschauern und jeweiligen Menschen an ihren Lebens- und Arbeitsorten in Dialog zu treten, wofür andere Formen der Kommunikation notwendig sind als bei einem routinierten Theater-, Film- oder Kunstpublikum. Wir hoffen, durch unser Projekt einen Austausch unter den KünstlerInnen als auch zwischen KünstlerInnen und ZuschauerInnen zu ermöglichen, der nachhaltig wirkt und Relevanz behält.


Künstlerische Methodik

Interview als Ausgangspunkt:

Das Interview als Form der Befragung von Menschen zu sich selbst, d.h. zur Wahrnehmung von sich selbst und von generellen Themen, ist die für uns geeignete Grundstruktur und Methode zur Generierung von dokumentarischem, biographischen Material, das konkrete Erfahrungen wiedergibt. Längst hat auch die Arbeitswelt das Interview für sich entdeckt und vereinnahmt, indem es jedoch mit psychologischer Härte permanent auf Rechtfertigung für das eigene Handeln und auf das Recht auf Arbeit zielt. Ob in Bewerbungsgesprächen, Anzeigen, persönlichen Bewertungsgesprächen - "Warum sind Sie die geeignete Person für uns?" , "Was können Sie, was andere nicht können?", "Wieviel sind Sie bereit für Ihre Arbeit zu opfern?", bei bürokratischen Einrichtungen, Arbeits- und Sozialämtern "Was haben Sie bisher gemacht?", "Warum wurden Sie entlassen?", "Sind Sie verheiratet, haben Sie Kinder, oder einen Führerschein?" oder im täglichen Leben, in der Familie und unter Freunden - "Was machst Du?", "Bist Du wirklich gut genug?", "Wieso hast Du immer noch keine Arbeit?"; etc. Wir werden stets einer Arbeits- und Leistungsbefragung unterzogen und mit diesem Druck konfrontiert.


Interview als Struktur - Inter/View:

Aus diesen Gründen und aufgrund der Suche nach Formen ernsthafter und nicht einseitiger Kommunikation und Dialoge wählen wir das Format des Interviews als zentrales Element für (e)at_work. Das Interview als Inter/View - so läßt sich sowohl der künstlerische Ausgangspunkt des Projekts als auch (e)at_work insgesamt beschreiben.


Interview als Methode:

Wir haben bereits gebräuchliche Interview-Methoden, wie sie auch in der Soziologie üblich sind, im Hinblick auf ihre Wirksamkeit und Erfahrungsdimension für die/den Befragte/n und die/den Fragende/n sowie auf den Nutzen für unser Projekt recherchiert und praktisch untersucht. Für uns ergibt sich daraus die Konsequenz, daß wir nicht mit standardisierten Interview-Methoden (A fragt, B antwortet) arbeiten werden, da sie nicht auf die individuellen, tieferen Erfahrungen mit Arbeit zielen, sondern zumeist an der Oberfläche bleiben und täglich aufgenommene Medienmeinungen wiedergeben. Daher entwickeln wir innerhalb von (e)at_work performative Interview-Methoden, die sich an dem ethnologischen Ansatz der "teilnehmenden Beobachtung" orientieren, und beide Interview-PartnerInnen in eine aktive Interview-Position mit künstlerischem Handlungshintergrund versetzen. Diese Interviews werden unterschiedlich dokumentiert (Video, Text, Bild, Ton), so daß dieses Material in den einzelnen Projekten direkt verwendet werden kann (Video, Text, Bild, Ton sind zentrale Arbeitsmittel der beteiligten KünstlerInnen). Zugleich dienen die Interviews als Inspirationsquelle für die künstlerische Arbeit. Das Interview kann dabei unterschiedlich elementar als Situation der Aufführung(en) sein.


Soziale und politische Ziele

Unser zentrales soziales und politisches Ziel ist die Ermöglichung und Eröffnung neuer Räume für Kommunikation, Bewußtsein, Reflektion und soziale Integration für und mit den Zuschauern/ involvierten Menschen(gruppen). Zugleich können und sollen damit neue Arbeitsweisen und Zuschauer für darstellende Kunst sowie für das Cross-Over verschiedener Bereiche aus darstellender, bildender und medialer Kunst gewonnen und Grenzen zwischen unterschiedlichen sozialen und Zuschauergruppen überwunden werden. Uns geht es weiter um die Präsentation einer Vielfalt von Stimmen und Erfahrungen zu Arbeit, (Un-)Sicherheit, gesellschaftlicher Partizipation und Zukunftsvorstellungen einer bestimmten Generation aus Deutschland, im speziellen Berlin, und Europa. Dadurch wollen wir den Austausch und Dialog von sozialen Gruppen, die sich sonst eher selten begegnen - KünstlerInnen, WissenschaftlerInnen, StudentInnen, SchülerInnen, Jugendliche, "Nicht-Arbeitende" ... - ermöglichen. Nicht zuletzt wollen wir die Recherche und den künstlerischen Prozeß offen und für das Publikum sichtbar und zugänglich gestalten.


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